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Ein bisschen Wahnsinn

Das Fritz-Theater ist anders

weh und hoosmann

Isabelle Weh und Hardy Hoosmann betreiben seit zwei Jahren das Fritz-Theater in Siegmar. Schon die Entstehungsgeschichte klingt abenteuerlich.


Es klingt ein bisschen so, als ob die Beiden Teil eines Zeugenschutzprogramms sind. Beinahe über Nacht die Koffer gepackt und aus München weggezogen. Nach Chemnitz, wo sie zuvor beim ersten und einzigen Besuch der Stadt entschieden, ein Theater zu übernehmen, ohne Stadt und Menschen hier zu kennen. Oder wie der Anfang einer romantischen Geschichte. Bei einer Inszenierung haben sie sich kennengelernt: Isabelle als Schauspielerin, Hardy als Regisseur. Hardy habe gesagt, er könne sich vorstellen mit Isabelle die Welt zu bereisen. Aus der Welt wurde Chemnitz, sagt sie, aber so, als sei das ein ebenbürtiger Ersatz.

Die beiden Schauspieler und Regisseure haben hier vor zwei Jahren einen Traum verwirklicht und das Fritz-Theater gepachtet. Das eigene Haus, der eigene Spielplan. Erarbeitet ist wohl das bessere Wort. Die erste Zeit sei schon heftig gewesen. Allein im Startjahr gab es zwölf Premieren, die organisiert, geprobt, gespielt wurden. Die beiden natürlich immer mit dabei als Spieler oder Regisseure. Letztlich musste das wenige Stammpublikum, das sie mit dem Haus übernahmen auch immer wieder kommen, bis der Kreis größer wurde. Viele Schauspielfreunde halfen aus, ohne dass es Gagen-Zusagen geben konnte. Denn Subventionen erhält das Fritz-Theater nicht. Nur ein Kinderstück pro Jahr, aktuell ist das Pippi-Langstrumpf, bekommt eine Kofinanzierung der Stadt. Dass das Haus sich aus Eintritten muss, heißt zum einen, dass jedes Stück ein Erfolg werden sollte, zum anderen aber auch weniger Avantgarde gespielt werden darf. Als Regisseure eher volksnah zu spielen, sagt Isabelle, sieht sie auch als Chance. Man müsse nichts beweisen und könne vor allem die Geschichten, nicht sich selbst inszenieren. Trotzdem weigert sich das Fritz ein bloßes Unterhaltungstheater zu sein.

Inzwischen ist das Programm dementsprechend auch etwas ernsthafter geworden. Zur Zeit läuft mit "Gaslicht" ein Krimiklassiker von Patrick Hamilton, unlängst die französische Tragikomödie "Achterbahn". Auch "Gretchen 89 ff", das am 9. November Premiere feiert, ist zwar ein durchaus witziges, aber in seinem Aufbau auch ungewöhnliches Stück. Zehn Regisseure proben zehnmal die Kästchenszene aus dem Faust und geben dabei dem Publikum skurrile Einblicke hinter die Kulissen. Selbst als Zuschauer ins Theater zu gehen, dazu hatten Hardy und Isabelle die letzten beiden Jahre keine Zeit. Aber sie hoffen, dass es bald etwas entspannter wird. Das Fritz spricht sich langsam rum. Ihr Ziel ist ein kleines, festes Ensemble, das sich komplett selbst trägt. Ob sie eines kenne? Nein, sagt Isabelle spontan. Aber dem Fritz ist auch diese Premiere zu wünschen.

Text & Foto: Michael Chlebusch

 

 

 


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